Charlottesville: Drei Tote bei den Ausschreitungen in Charlottesville

Bei Zusammenstößen von Rechtsextremen und Gegendemonstranten in den USA sind Behörden zufolge weitere Menschen gestorben. Ein Auto raste in eine Menschenmenge.

Nach den Unruhen im US-Bundesstaat
Virginia ist den Behörden zufolge die Zahl der Toten auf drei gestiegen, mehr als 35 Menschen seien verletzt worden. Bereits am frühen Nachmittag war bei einer geplanten Kundgebung von Anhängern des Ku-Klux-Klans und anderer rechtsextremer Gruppen in der Stadt Charlottesville ein Auto in eine Gruppe mit Gegendemonstranten gefahren, hierbei war eine 32-jährige Frau ums Leben gekommen.

Auf Videos war zu sehen, wie ein silberfarbenes Auto mit
hohem Tempo in eine Gruppe von scheinbaren Gegendemonstranten fuhr. “Menschen wurden über die Motorhaube und durch die Luft
geschleudert”, sagte ein Augenzeuge der New York Times. Es habe so ausgesehen,
als ob der Fahrer gezielt Menschen treffen wollte. Die Polizei
legte zunächst keine Details vor. Der Fahrer des Autos wurde
Medienberichten zufolge festgenommen.

Zuvor hatten sich Rechtsextreme und Gegendemonstranten in der Universitäts-Stadt gewaltsame Auseinandersetzungen geliefert. Beide Seiten gingen mit Schlagstöcken, Flaschen und Wurfgeschossen aufeinander los. Mitglieder beider
Gruppierungen trugen Helme und Schutzanzüge, einige schwenkten
Holzpfosten.
Angehörige der Miliz trugen offen Gewehre mit sich, Schüsse
waren aber nicht zu hören. Die Polizei verhängte ein Versammlungsverbot.

Der
Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, und städtische Stellen riefen
den Ausnahmezustand für Charlottesville aus. Der Gouverneur twitterte, die öffentliche Sicherheit könne nicht ohne weitere Sicherheitskräfte gewährleistet werden. Die Polizei sei
mit einem Großaufgebot vor Ort. Er sei angewidert von dem Hass und der Gewalt, die die Protestierenden nach Virginia gebracht hätten. 

Auch Präsident Donald Trump verurteilte die
Zusammenstöße bei einer Presseansprache in seinem Golfressort in New Jersey: Es handele sich um eine “unerhörte Zurschaustellung von
Hass, Engstirnigkeit und Gewalt auf vielen Seiten”. Er forderte “eine schnelle Wiederherstellung von Recht und Ordnung und den
Schutz von unschuldigen Leben”. Trump
sagte, er habe sich bereits mit dem Gouverneur kurz geschlossen. Einige der weißen Nationlisten trugen jedoch Trump Schilder bei den Demonstrationen und beriefen sich auf seinen Wahlsieg als Bestätigung für ihre Einstellungen.

Hintergrund der Krawalle ist demnach ein Protestaufruf weißer Extremisten gegen die Entfernung nationalistischer Symbole aus dem öffentlichen Raum. So hatte Charlottesville laut CNN im Februar beschlossen, eine Statue von General Robert E. Lee aus einem Park zu entfernen. Auch der Park selbst war demnach von Lee-Park in Emancipation-Park umbenannt worden. Ob die Statue entfernt wird, klärt derzeit die Justiz. Lee führte im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861–65) die Streitkräfte der Konföderierten Staaten von Amerika an, eines Zusammenschlusses mehrerer südlicher Staaten, die sich von den USA abgespalten hatten.

Wie die Washington Post berichtet, versammelten sich am Samstagvormittag Hunderte Rechte und Gegendemonstranten in dem Park, von dem aus am Mittag ein Protestmarsch starten sollte. Ausgerüstet mit Fahrrad- und Motorradhelmen, seien sie unter anderem mit Schlagstöcken und Reizgas aufeinander losgegangen. Die lokalen Behörden waren demnach zuvor mit einem Antrag gescheitert, die Kundgebung in einen größeren Park außerhalb des Stadtzentrums zu verlegen. 

Medienberichten zufolge war es bereits am Freitagabend zu ersten Zusammenstößen gekommen. Mehrere Hundert Rechtsextreme seien über den Campus der Universität von Virginia gezogen und hätten “White lives matter” (“Weiße Leben zählen”) und antisemitische Parolen skandiert, berichtet die Zeitung. Ein Gegendemonstrant habe Reizgas versprüht und rund ein Dutzend Teilnehmer des Demonstrationszuges verletzt.

Charlottesville gilt als progressive, überwiegend den Demokraten zuneigende Stadt. Bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr stimmten laut CNN rund 80 Prozent für die demokratische Kandidatin Hillary Clinton. Die Pläne, nationalistische Symbole aus dem Stadtbild zu entfernen, führten in den vergangenen Monaten bereits mehrfach zu Protestaktionen, darunter von Mitgliedern des rassistischen Ku-Klux-Klans.