Schorndorf: “Wir hatten die Situation nicht immer im Griff”

Im baden-württembergischen Schorndorf ist es bei einem Straßenfest zu Ausschreitungen und sexuellen Übergriffen gekommen. Die Polizei war zwischenzeitlich überfordert.

Als Reaktion auf Krawalle und mindestens zwei sexuelle Übergriffe auf junge Frauen will die baden-württembergische Stadt Schorndorf ihr Stadtfest mit mehr Polizisten sichern. Das kündigte der Aalener Polizeipräsident Roland Eisele nach der Randale vom Wochenende an. Die Polizei werde an den beiden letzten Tagen der Schorndorfer Woche zudem dunkle Ecken auf dem Festgelände besser ausleuchten.

Bei dem Fest in der Stadt östlich von Stuttgart waren in der Nacht zum Sonntag Besucher und Polizisten aus einer Ansammlung von rund 1.000 jungen Menschen im Schlosspark heraus angegriffen worden. Außerdem wurden laut Polizei zwei junge Frauen von Flüchtlingen bedrängt. “Die Polizei hatte die Situation nicht immer im Griff”, sagte Eisele. Zwischenzeitlich hätten sich die Beamten zurückgezogen. Dann aber sei die Lage mit verdoppelten Kräfte unter Kontrolle gebracht worden. “Ein Ausnahmezustand ist für mich etwas anderes.”

Der Oberbürgermeister der Stadt, Matthias Klopfer, sprach in einem Facebook-Post von drei Anzeigen wegen sexueller Belästigung. Dem SWR sagte er, vor den Krawallen hätten vor allem Schüler auf dem Volksfest gefeiert. “Es war wie immer: Viele, viele Abiturienten und Realschüler haben bei uns im Schlosspark gefeiert. Und dann kam es nach Mitternacht zur Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen.” Erst später seien auch mehrere Menschen mit Migrationshintergrund oder Asylbewerber hinzugekommen – dies sei aber nicht der Großteil gewesen.

Laut Polizeipräsident Eisele werden in einem Fall drei junge Afghanen verdächtigt, eine Frau belästigt zu haben. Im zweiten Fall gilt ein junger Iraker als tatverdächtig. Alle Männer seien auf freiem Fuß, es sei kein Haftbefehl erlassen worden, sagte Eisele. In beiden Fällen sei Alkohol im Spiel gewesen ebenso wie bei den Angriffen im Schlosspark, berichtete Eisele. “Alkohol ist ein Gewalttransmitter. Die Leute haben sich nicht mehr im Griff.” In Schorndorf leben rund 40.000 Menschen, etwa 700 Flüchtlinge wurden dort aufgenommen.

Im Unterschied zu den Vorjahren hatten Polizei und Stadt beschlossen, die
Gäste bis 1 Uhr im Park feiern zu lassen, in den vergangenen Jahren
mussten sie den Park um 23 Uhr verlassen. Ein Polizeisprecher sagte ZEIT
ONLINE
, dass die Menge allerdings bereits vor Mitternacht sehr
alkoholisiert gewesen sei.   

Laut Eisele liegt in der Kriminalstatistik keine signifikante Steigerung von sexuellen Übergriffen vor. Allerdings habe sich in den letzten Jahren die verbale und körperliche Gewalt gegen Polizisten gesteigert. “Diese Eskalation der Gewalt war ohne Weiteres nicht vorhersehbar.” Die
zunehmenden Aggressionen gegen Beamte seien ein gesamtgesellschaftliches
Problem, dem man nur im “Schulterschluss von Gesetzgeber, Polizei und
Bevölkerung beikommen” könne.

Zu den Tätern der Delikte machte Eisele keine Angaben. Bei den Ausschreitungen im Park hätten sich zum Teil zuvor im Streit liegende Gruppen gegen die Polizei solidarisiert, sagte der Polizeipräsident. Es habe keinen überdurchschnittlichen Anteil von Migranten in der Menschenmenge gegeben. Zeugenaussagen, wonach kleine Gruppen mit Messern und Schreckschusspistolen in der Nacht zum Sonntag durch die Stadt gezogen seien, gehe die Polizei noch nach.

Auch bei einem Fest in Böblingen wurden sexuelle Übergriffe bekannt. Laut Polizei wurde eine Gruppe betrunkener afghanischer Asylbewerber am Samstagabend am Rande eines Holi-Festivals aggressiv. Während die Polizei den Sachverhalt aufnahm, meldeten sich mehrere junge Frauen, die demnach aus der Gruppe heraus unsittlich berührt und sexuell beleidigt worden waren.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) nannte
die Vorfälle völlig inakzeptabel. “Es gilt glasklar: Wir dulden solche
Exzesse nicht, bei uns gibt es keine rechtsfreien Räume, wir haben null
Toleranz bei Gewalt, bei sexuellen Übergriffen, bei Gewalt gegen die
Polizei.” Noch in dieser Woche soll sich der baden-württembergische
Landtag mit den Vorfällen in Schorndorf beschäftigen.